Menü Schließen

Schlagwort: Georisiken

Auf nach Spanien

Aachen, Belgien, Luxemburg, Frankreich, Spanien, 2100 km und das zweite Etappenziel erreicht…

…Mula, kleines beschauliches Städtchen im Süden Spaniens etwa 40 km westlich von Murcia.

Diese Reise unternehme ich zusammen mit Andi, um Daten im Feld für unser beider Masterarbeiten zu sammeln. Endgültiges Ziel ist ein Störungssystem in der Nähe von Padul, südöstlich von Granada. Zwischenstopps bisher in Canet-Plage (erstes Etappenziel) östlich von Perpignan und zur Zeit eben in Mula. Mehr hoffentlich bei vorhandenem Internetzugang in den nächsten Tagen…

Shell

Cerveca en Mula

Verkehrssicherheit in Griechenland

Wer bereits in den mediterranen Ländern, wie Griechenland, Spanien, Italien und Ländern des Balkans unterwegs war, weiß, dass dort die Verkehrssicherheit häufig recht weit ausgelegt wird.

Jüngst in Griechenland erlebte ich, dass es auf einer zwei-spurigen Autobahn durchaus noch zwei bis drei weitere Spuren geben kann, die einleuchtenderweise zum schnelleren Verkehrsfluss beitragen können. Dass dann auf der Autobahn, aber auch noch Rollerfahrer ohne Helm, zu zweit und mit vielen Einkäufen unterwegs waren, hat mich dann doch etwas erstaunt. Während einiger Autofahrten tauchten des öfteren solche Rollerfahrer urplötzlich rechts neben mir auf und ich konnte nur noch verdutzt hinterherschauen.

Eine weitere Philosophie des griechischen Straßenverkehrs wird durch die ungemeine Freundlichkeit gestützt. Wenn man sich im Klaren ist, dass man wesentlich langsamer fährt – vielleicht 10 bis 20 km/h mehr als vorgeschrieben – oder einfach zu langsam für den Otto-Normal-Griechen, so besagt eine Regel, dass man den Schnelleren durch eine möglichst am rechten Straßenrand orientierte Fahrweise, trotz Gegenverkehr und unübersichtlicher Straßenführung überholen lassen kann. Dies ist eine rücksichtsvolle und Mitmenschen respektierende Fahrweise und trägt ungemein zum Verkehrsfluss bei.

Die für den gemeinen Mitteleuropäer vielleicht etwas gefährlich anmutende Fahrweise wird dem Griechen schon in jungen Jahren verinnerlicht, indem schon die Kinder an den Straßenverkehr gewöhnt werden und ein integrativer Teil davon werden. In einem kleinen beschaulichen Örtchen namens Galatas fuhren 8-jährige Jungen mit ihren Rollern zur Schule, natürlich ohne jeglichen Kopfschutz, damit sie auch ja sicher fahren. Kleinkindern, im Alter von vielleicht gerade 4 Jahren, wurde der sichere Sitz auf dem Roller beigebracht, damit auch sie bereits eine unzerstörbare Verbindung zu ihrem zukünftigen Fortbewegungsmittel aufbauen können.

Neben diesen verwunderlichen und beeindruckenden Dingen wurde uns in Galatas eine weitere Absurdität dargeboten. Als Grieche ist man recht fit in handwerklichen Tätigkeiten und erledigt so manches eigenständig von Hand aus. Um sich handwerklich zu betätigen, werden natürlich auch einige Materialien benötigt. Diese transportiert der Handwerker dann mit seinem Auto von A (Galatas?) nach B (Galatas?).

So wurden wir Zeuge, wie ein schon etwas in die Jahre gekommener Kleinwagen mit leichter Beladung sein Dasein fristete. Handwerklich geschickt wollte sich hier wohl jemand an einem Samstag neue Wasserleitungen verlegen. Die knapp 7 m langen Rohre waren akkurat auf dem Dach des Fahrzeuges positioniert, ausbalanciert und gesichert mit kräftig anmutenden Schnürchen. Jegliches Überragen des Fahrzeuges wurde natürlich nicht kenntlich gemacht. Dies würde ohnehin nur zur Gefährdung weiterer Verkehrsteilnehmer führen.

ROAD SAFETY

ROAD SAFETY

Im Endeffekt fragt man sich, ist der Grieche ein besserer, d.h. sicherer Autofahrer, da er mehr riskiert. Sicher ist jedenfalls, dass er sich größeren Gefahren aussetzt, sich diesen aber scheinbar nicht so sehr bewusst ist.

Griechenland schwarz & weiß

Während dem angekündigten zweiwöchigen Trip durch Griechenland habe ich viele Fotos geschossen, sowohl Geologische, Animalische, Kulturelle, als auch einfach nur nette Erinnerungen an die Reise. Wie versprochen folgen hier einige Eindrücke von der Reise.

Dass Griechenland von etlichen Georisiken betroffen ist, habe ich hier bereits in einem vorigen Beitrag geschildert. Die Wahrscheinlichkeit innerhalb von zwei Wochen Zeuge mindestens einer dieser vielfältigen Risiken zu werden, war also recht hoch. Leider (vielleicht auch zum Glück) sind wir weder von einem Erdbeben, einem Tsunami, einem Waldbrand, noch von einer großen Massenbewegung heimgesucht worden. Dennoch sind uns geologisch einige Überbleibsel solcher rezenter Georisiken begegnet.

Landschaftlich und kulturell boten sich genügend Möglichkeiten Fotos aufzunehmen. Hier folgen zunächst einige Bilder in Schwarzweiß. Weitere sind bereits hier zu finden und werden auch noch folgen.

MYKENE

MYKENE: Ausblick von den antiken Bauten über die weite Ebene von Mykene

meander

Mäander: mäandrierender Fluss im Tal unterhalb von Delphi

Die folgende Bildserie ist aus dem Versuch heraus entstanden, eine scheinbar lose Scholle eines Sandsteinblocks mittels Steinen zu Fall zu bringen. Leider ist der Versuch missglückt.

The GEO Warriors #01

The GEO Warriors #01

The GEO Warriors #02

The GEO Warriors #02

The GEO Warriors #03

The GEO Warriors #03

The GEO Warriors #04

The GEO Warriors #04

broken greenhouse

Altes Gewächshaus

lines in the sky

Rio–Antirrio Brücke

EXIT

EXIT

Griechenland-Exkursion…wir kommen

Noch 5 1/2 Tage und es geht auf nach Griechenland – das Land, das auf mehreren Lithosphärenplatten im östlichen Mittelmeerraum zu Hause ist. Die nordwärtsgerichtete Drift der Afrikanischen Platte zwängt es, auf der Ägäischen Platte gelegen, gegen den Eurasischen Kontinent. Von Osten wird es zusätzlich von der Anatolischen Platte bedrängt. Ein Land voller Gefahren von höherer geologischer Gewalt. Neben erhöhter tektonischer Aktivität warten dort weitere Naturgefahren, wie Waldbrände, Massenbewegungen, Tsunamis und Schlangen auf uns. Die Normalspannung steigt.

Die Exkursion wird uns zwei Wochen in der näheren Umgebung von Athen und der Peleponnes herumkommen lassen. Aufsuchen werden wir natürlich Athen, Loutraki am Golf von Korinth, Sparta – gegrüßet seid ihr Spartiaten -, Pyrgos, Patras und Kaparelli. Besonderes Augenmerk legt die Exkursion also auf Georisiken und die Geologie des südlichen Griechenlands. Vor allem werden wir, wie oben bereits angekündigt, Störungen, Massenbewegungen und Folgen von Waldbränden sehen. Die Karte unten zeigt Erdbeben der letzten zwei Wochen in Griechenland und Umgebung. Insgesamt sind in diesem Zeitraum 286 Beben mit einer Magnitude von mindestens 3.0 aufgetreten. Bleibt die Frage: „Werden wir ein Erdbeben erleben?“ Sicherlich ja – aber ob wir es spüren werden, bleibt fraglich. Weitere Informationen zu den einzelnen Beben ist auf den Seiten des European-Mediterranean Seismological Centre (EMSC) zu finden.

Erdbeben der letzten zwei Wochen mit einer Magnitude von mindestens 3.0 in Griechenland und Umgebung (EMSC, 2010)

Quelle: EMSC, 2010

Sowohl unser Exkursionsgebiet als auch das restliche Griechenland ist von weiten Störungszonen durchzogen, die samt der plattentektonischen Situation für die vielen Erdbeben verantwortlich sind. Grob lässt sich Griechenland in drei große tektonische Regime einteilen:

  • Kompression (thrust faults): im Hellenischen Graben (Subduktion der Afrikanischen Platte unter die Ägäische Mikroplatte)
  • Extension (normal faults): auf der Peleponnes und in weiten Teilen des griechischen Festlandes (vermutlich Roll-Back der subduzierten Afrikanischen Lithosphäre)
  • Blattverschiebungen (strike-slip faults): im Ägäischen Meer als Auffächerung der Nordanatolischen Blattverschiebung (westwärtige Drift der Anatolischen Platte)

Viele dieser genannten Störungssysteme sind auch heute noch aktiv und führen damit immer wieder zu Erdbeben. Andere Naturgefahren, wie z.B. Massenbewegungen (Erdrutsche und Felsstürze) und Tsunamis, werden durch die Beben auch geringerer Stärke ausgelöst und stellen daher ein weiteres Risiko für die griechische Bevölkerung dar.

Ein besonderes Augenmerk werden wir auf den Golf von Korinth legen. Dieser ist, zusammen mit dem Golf von Evia, eines der größeren Grabensysteme in Griechenland und ist auf dem Extensionsregime im Backarc-Bereich des Hellenischen Bogens begründet. Mit einer Länge von 100-150 km und Öffnungsraten von bis zu 12 mm/Jahr stellt er nicht nur geologisch, sondern auch touristisch eine Attraktion dar. So bietet der Kanal von Korinth einen beeindruckenden Einblick in die Geologie des Golfs und wird eins, der hoffentlich zahlreichen Highlights auf der Exkursion sein.

Einen Überblick über die gesamte neotektonische Situation in Griechenland gibt mein Beitrag zum Exkursionsführer über rezente Bewegungsraten und Störungen.

Die Vorfreude steigt – die Kamera-Akkus werden geladen, Speicherkarten formatiert, Linsen gereinigt und der Hammer eingepackt. Impressionen und Erlebnisse der Exkursion wird es spätestens Anfang Oktober geben.

© 2017 Jo-Hu.de. Alle Rechte vorbehalten.

Thema von Anders Norén.