Griechenland-Exkursion…wir kommen

Noch 5 1/2 Tage und es geht auf nach Griechenland – das Land, das auf mehreren Lithosphärenplatten im östlichen Mittelmeerraum zu Hause ist. Die nordwärtsgerichtete Drift der Afrikanischen Platte zwängt es, auf der Ägäischen Platte gelegen, gegen den Eurasischen Kontinent. Von Osten wird es zusätzlich von der Anatolischen Platte bedrängt. Ein Land voller Gefahren von höherer geologischer Gewalt. Neben erhöhter tektonischer Aktivität warten dort weitere Naturgefahren, wie Waldbrände, Massenbewegungen, Tsunamis und Schlangen auf uns. Die Normalspannung steigt.

Die Exkursion wird uns zwei Wochen in der näheren Umgebung von Athen und der Peleponnes herumkommen lassen. Aufsuchen werden wir natürlich Athen, Loutraki am Golf von Korinth, Sparta – gegrüßet seid ihr Spartiaten -, Pyrgos, Patras und Kaparelli. Besonderes Augenmerk legt die Exkursion also auf Georisiken und die Geologie des südlichen Griechenlands. Vor allem werden wir, wie oben bereits angekündigt, Störungen, Massenbewegungen und Folgen von Waldbränden sehen. Die Karte unten zeigt Erdbeben der letzten zwei Wochen in Griechenland und Umgebung. Insgesamt sind in diesem Zeitraum 286 Beben mit einer Magnitude von mindestens 3.0 aufgetreten. Bleibt die Frage: „Werden wir ein Erdbeben erleben?“ Sicherlich ja – aber ob wir es spüren werden, bleibt fraglich. Weitere Informationen zu den einzelnen Beben ist auf den Seiten des European-Mediterranean Seismological Centre (EMSC) zu finden.

Erdbeben der letzten zwei Wochen mit einer Magnitude von mindestens 3.0 in Griechenland und Umgebung (EMSC, 2010)

Quelle: EMSC, 2010

Sowohl unser Exkursionsgebiet als auch das restliche Griechenland ist von weiten Störungszonen durchzogen, die samt der plattentektonischen Situation für die vielen Erdbeben verantwortlich sind. Grob lässt sich Griechenland in drei große tektonische Regime einteilen:

  • Kompression (thrust faults): im Hellenischen Graben (Subduktion der Afrikanischen Platte unter die Ägäische Mikroplatte)
  • Extension (normal faults): auf der Peleponnes und in weiten Teilen des griechischen Festlandes (vermutlich Roll-Back der subduzierten Afrikanischen Lithosphäre)
  • Blattverschiebungen (strike-slip faults): im Ägäischen Meer als Auffächerung der Nordanatolischen Blattverschiebung (westwärtige Drift der Anatolischen Platte)

Viele dieser genannten Störungssysteme sind auch heute noch aktiv und führen damit immer wieder zu Erdbeben. Andere Naturgefahren, wie z.B. Massenbewegungen (Erdrutsche und Felsstürze) und Tsunamis, werden durch die Beben auch geringerer Stärke ausgelöst und stellen daher ein weiteres Risiko für die griechische Bevölkerung dar.

Ein besonderes Augenmerk werden wir auf den Golf von Korinth legen. Dieser ist, zusammen mit dem Golf von Evia, eines der größeren Grabensysteme in Griechenland und ist auf dem Extensionsregime im Backarc-Bereich des Hellenischen Bogens begründet. Mit einer Länge von 100-150 km und Öffnungsraten von bis zu 12 mm/Jahr stellt er nicht nur geologisch, sondern auch touristisch eine Attraktion dar. So bietet der Kanal von Korinth einen beeindruckenden Einblick in die Geologie des Golfs und wird eins, der hoffentlich zahlreichen Highlights auf der Exkursion sein.

Einen Überblick über die gesamte neotektonische Situation in Griechenland gibt mein Beitrag zum Exkursionsführer über rezente Bewegungsraten und Störungen.

Die Vorfreude steigt – die Kamera-Akkus werden geladen, Speicherkarten formatiert, Linsen gereinigt und der Hammer eingepackt. Impressionen und Erlebnisse der Exkursion wird es spätestens Anfang Oktober geben.

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